zurück zur Übersicht

Paul Baum

* 1859 – † 1932

Überschwemmung bei Hyères, um 1909

Öl auf Leinwand
4655

Signiert unten links: Paul Baum

Verso auf dem Keilrahmen Stempel der Firma Lefranc

Paul Baum begann seine künstlerische Laufbahn als Blumenmaler in der Porzellanmanufaktur seiner Geburtsstadt Meißen, bevor er nach einjährigem Besuch der Dresdner Kunstakademie im Jahr 1878 an die Weimarer Kunstschule wechselte. Sowohl während der neun Jahre in Weimar als auch dem folgenden zweijährigen Aufenthalt bei den Dachauer Freilichtmalern sind es vor allem Lokalfarben, welche Baums Landschaftsdarstellungen dominieren. Die sich hier abzeichnende Vorliebe für das Motiv ländlicher Gegenden wird sich zeitlebens durch sein Œuvre ziehen.1 1890 ist ein Wendejahr im Leben des Malers. Die im März unternommene Parisreise, welche ihm Werke von Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley vor Augen führt, veranlasst ihn noch im gleichen Jahr dazu, Dachau zu verlassen und nach Knokke sur mer überzusiedeln, wo die Impressionisten im Sommer verweilten. Hier konnte der Künstler nicht nur den französischen Vorbildern beim Arbeiten zusehen, sondern auch selbst die ersten impressionistischen Bilder malen, wobei die Landschaften Flanderns ihm in den Folgejahren hierfür zahlreiche Sujets bieten sollten.2 Zu dieser Zeit ist eine deutliche nähe Baums zu Pissarro hervorzuheben, den er persönlich kannte und der ihm künstlerische Ratschläge gab. Ihn faszinierte der spürbare Einfluss des Pointillismus in Pissarros Werken, hatte dieser sich in den 1880er Jahren doch temporär jener Strömung zugewandt.3 Im Zuge der intensiven Auseinandersetzung mit den Werken Georges Seurats und Paul Signacs4 wandte sich Baum zum Ende des Jahrhunderts ganz dem Pointillismus zu. Für die konsequente Umsetzung der Methode seiner Vorbilder stehen beispielhaft die um 1900/1901 entstandenen Darstellungen Konstantinopels5, in denen er auch die Größe der Punkte dem Format des Bildes anpasste.6

Dass der Künstler nicht in der strengen Anwendung des Pointillismus verharrte, zeigt vorliegendes Werk, welches wohl zwischen 1909 und 1910 während seines Aufenthaltes im südfranzösischen Hyères entstanden ist.7 Hier wechseln sich harmonisch pointillistische Partien mit einem strichförmigen Farbauftrag ab. Dominiert von einem in den rechten Vordergrund ragenden Baum, öffnet sich der Blick über eine von Schilf durchzogene Wasserfläche. Die in kräftigem Gelb, Orange und Brauntönen wiedergegebene Vegetation des Vordergrundes geht mit der Spiegelung im Wasser eine regelrechte Symbiose ein und hebt sich von den blauen, mit kurzen horizontalen Strichen erfassten Bereichen der Wasseroberfläche ab. Diese wird vereinzelt von kleinen vertikalen Schilfpartien durchbrochen, bevor unser Blick über das gelbe Schilfmeer hinweg auf die Uferzone fällt. Ist diese verhältnismäßig flächig dargestellt, so gibt der Maler die angrenzenden Baumgruppen mit kleinen vertikalen und schrägen Tupfern in kräftigen Farben wieder. In den dahinter sich in sanftem Blau und Violett erhebenden Ausläufern des Maurenmassives sind einzelne Gebäude angedeutet. Der von einigen Kumuluswolken durchzogene Himmel ist mit einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Pinselstriche wiedergegeben und bildet somit seine ganz eigene Dynamik aus.


  1. Hitzeroth, Wolfram: Paul Baum. (1859–1932) Ein Leben als Landschaftsmaler, Marburg 1988, S. 78.

  2. Ebd. S. 37.

  3. Kat. Ausst. Camille Pissarro, Staatsgalerie Stuttgart 1999, Ostfildern-Ruit 1999, S. 21.

  4. Die persönliche Beziehung zu dem belgischen Pointillisten Théo van Rysselberghe ist ebenfalls zu nennen.

  5. Vgl. Hitzeroth, Wolfram: Paul Baum. (1859–1932) Ein Leben als Landschaftsmaler, Marburg 1988, WVZ Nr. F 165, S. 219 (Abb.).

  6. Hitzeroth, Wolfram: Paul Baum. (1859–1932) Ein Leben als Landschaftsmaler, Marburg 1988, S. 380.

  7. Während Baums erster Südfrankreichreise sind nur Farbgrafiken und keine Ölgemälde entstanden. Der stilistische Vergleich mit 1909 datierten Werken aus Hyères (vgl. WVZ Nr. F214 und F 215) legt die Datierung in diese Zeit nahe.

zurück zur Übersicht