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Paul Baum

* 1859 – † 1932

Toskanische Landschaft, um 1912

Öl auf Leinwand
63,570,5

Signiert unten links: P. Baum

Vorliegendes Gemälde von der Hand Paul Baums dürfte in der Zeit um 1912 entstanden sein. Die Toskana war ihm bereits von einem Kurzbesuch in Florenz 1899 bekannt. Im Zuge seines einjährigen Stipendiums an der Florentiner Villa Romana 1909/10 zog es ihn dann auch das erste Mal in die Gegend um San Gimignano, in der auch unsere Landschaft geografisch zu verorten ist. Die Anziehungskraft der Region zwischen Florenz und Siena war so groß, dass sich der Künstler nach Abschluss seines Stipendiums dort dauerhaft bis zu seinem Tode1 niederließ – mit Ausnahme der kriegsbedingten Unterbrechung von 1914 bis 1921. Wohl erst ab 1912 begann der Maler die Landschaften in großformatigen Ölgemälden zu erfassen, hatte er sich doch zuvor vor allem mit Zeichnungen und Radierungen an sie herangetastet.2 So umfasst das Œuvre aus dieser Schaffenszeit lediglich siebzehn Ölgemälde, wobei nur zu dreizehn davon Abbildungen bekannt sind.3 Im vorliegenden Werk lässt die dichte Vegetation im rechten Vordergrund die ungebändigte Kraft der Natur erahnen, bevor unser Blick auf eine hüglige Kulturlandschaft mündet. Das gleißende Licht auf dem abgeernteten, in hellen Gelbtönen gemalten Feld im Vordergrund wird durchbrochen von den in Violett gehaltenen farbigen Schatten der Bäume und den jungen grünen Trieben am unteren Bildrand. Ein von rechts unten zunächst in die Bildmitte verlaufender Weg führt den Betrachter nach einer Biegung nach links an bestellten Feldern und vereinzelten Obstbäumen vorbei und in einer weiten Kurve nach rechts hinauf bis zu einem großen Gehöft im Bildhintergrund. Auch in den Grüntönen der üppigen Vegetation wirkt das helle Licht der Sommersonne nach und steht im Kontrast zu der Kühle, welche von dem blauen Himmel mit den in Weiß und Violett gehaltenen Wolken ausgeht. Die Beherrschung der Farbe und des Lichtes als Resultat der vorhergehenden intensiven Auseinandersetzung mit dem Impressionismus ab 1890 und dem Pointilismus um die Jahrhundertwende ist in unserem Bild deutlich wahrnehmbar. Stets auf der Suche nach den künstlerischen Mitteln, das Leben der Natur selbst wiederzugeben, entwickelt sich Baum in seinem gesamten Œuvre ständig weiter und blieb keiner bestimmten Malweise verhaftet. Seine künstlerische Entwicklung kann als fortlaufender Prozess begriffen werden, wobei dem Medium der Zeichnung, aber auch der Aquarellmalerei und der Radierung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bei der Annäherung an neue Landschaften und technische Fragestellungen für die Wiedergabe in der Ölmalerei zukommen.


  1. Paul Baum stirbt am 18.5.1932 an einer Lungenentzündung in Santa Lucia und liegt in San Gimignano begraben.

  2. Hitzeroth, Wolfram: Paul Baum (1859–1932). Ein Leben als Landschaftsmaler, Marburg 1988, S. 266.

  3. Ebd., S. 544 f.

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